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am 24. November 2020

Viel Junge, wenig Chancen: kein Problem für Wels?

Thomas Rammerstorfer - Anmerkungen von Thomas Rammerstorfer (Spitzenkandidat der Grünen Wels)

Unsere Zukunft: Die Jugend ohne Zukunft

Beim „Zukunftsranking“ im Frühjahr lag Wels mit seiner sehr jungen Bevölkerung auf Platz 2 (von 94 Bezirken) beim Indikatorenbereich „Demographie“. Weniger gut platziert war man in den Bereichen „Arbeitsmarkt“ (Platz 80 von 94) sowie „Wirtschaft & Innovation“ (Platz 70 von 94). Es zeigt sich also, und dies wird durch andere Daten, etwa betreffend des Bildungsniveaus, untermauert, dass in Wels eine sehr junge Bevölkerung auf einen für sie nur sehr schlecht vorbereiteten Arbeitsmarkt trifft. Mit zusätzlichen Schwierigkeiten, etwa der ausgeprägten ethnischen Segregation, verursacht durch eine verfehlte Wohnbaupolitik.

Ich bin überzeugt, dass dies eines der großen Problemfelder der kommenden Jahre, vermutlich sogar Jahrzehnte sein wird. Eine Herausforderung, die durch die Corona-Krise nicht unbedingt kleiner geworden ist.

Die Jugendarbeit: Helfer*innen oft hilflos

Die be- und die neu entstehenden Probleme treffen in Wels auf eine schwach aufgestellte Jugendarbeit. Die fünf Jugendtreffs der Stadt haben zwischen 26 und 30 Öffnungsstunden in der Woche. Geschlossen werden sie um spätestens 20 Uhr, an den Wochenenden bleiben die Türen geschlossen. Alleine diese Öffnungszeiten widersprechen allem, was man über das Freizeitverhalten junger Menschen weiß, die natürlich am ehesten am Wochenende frei haben.

Ein zeitgemäßes Online-Angebot existiert ebenso nicht. Die Anzahl der Streetworker wurden von sieben auf fünf reduziert. Private oder kirchliche Initiativen in der Jugendarbeit werden eher behindert, denn gefördert (siehe FreiRaumWels). Manche dieser Initiativen sind natürlich auch durchaus zweifelhaft. Viele beschränken ihr Angebot auf ethnische und/oder religiöse Gruppen. Und die erreichen in Wels mittlerweile vermutlich mehr Junge als die städtischen Angebote - bei denen gewisse Zielgruppen gar nicht erst angesprochen werden. Eine „geschlechtsbezogener Jugendarbeit“, wie sie die Stadt Wels auf ihrer Homepage verkündet, findet wenn überhaupt nur sehr sporadisch statt.

Zweifellos eines der größten Versäumnisse ist das weitestgehende Fehlen eines Angebotes für über 18-jährige. Zwar werden diese nach nahezu allen gängigen Definitionen noch zur Zielgruppe gezählt, in Wels aber gar nicht anvisiert – wenn, dann durch Streetworker. Dabei etabliert sich oft gerade in der Altersklasse zwischen 18 und 25 schwieriges Verhalten, etwa Suchtprobleme.

Die Folgen kosten menschlich und finanziell

In der Politik fehlt weitgehend das Verständnis für den Zusammenhang zwischen den eingangs geschilderten Strukturmerkmalen und der schwach aufgestellten Jugendarbeit und dem, was daraus entsteht: weit verbreitete Suchtproblematiken mit legalen und illegalen Substanzen, eine drastische Situation bei der Spielsucht, eine boomende Autoraserszene, Extremismus- und Desintegrationstendenzen (die wiederum von vorhandenen politischen und religiösen Strömungen ausgenutzt werden), rückständige Welt-, insbesondere auch Frauenbilder, Kriminalität, Rassismus, Bildungsdefizite…

Die Folgen sind schwerwiegend. Menschlich natürlich, aber auch finanziell. Für jeden Cent, den wir nicht in Bildung und Jugendarbeit investieren, zahlen wir später einen Euro für Resozialisierung, für Überwachungskameras, für Gefängnisse, für Verkehrsüberwachung, für Sozialprogramme, für die Rehabilitation von Gewalt- und Unfallopfern.

Mögen diese letztgenannten Argumente wenigstens jenen einleuchten, denen die menschliche Seite gleichgültig ist.




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