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am 2. Oktober 2018

Erhalt der letzten Baracke des Lagers 1001

Walter Teubl - Die Welser Heimstätte will die letzte erhaltene Baracke des Lagers 1001 abreißen. Damit würde ein historisch wertvolles Gebäude von der Bildfläche verschwinden.

Fotoaktion Lager 1001
Aktion für den Erhalt der letzten Baracke

Viele geschichtsträchtige Orte Lichteneggs sind in den letzten Jahren der Abrissbirne zum Opfer gefallen, so z.B. das ehemalige Gemeindeamt oder der Kindergarten in der Schulstraße. Der wahrscheinlich symbolträchtigste Ort des Stadtteils steht aber noch: Ein unscheinbares Holzgebäude, die letzte erhaltene Baracke des Lagers 1001.

​Die Welser Heimstätte hat vor kurzem für diese Baracke einen Abrissbescheid erwirkt. Sie will den Holzbau der Schulstraße, der früher das „Gasthaus zur Scheune“ beherbergte und bis vor einem Jahr bewohnt war, demnächst schleifen lassen. Damit würde aber erneut ein historisch wertvolles Gebäude von der Bildfläche verschwinden.

Zeugin einer bewegten geschichte

Wir sind der Meinung, dass diese Baracke erhalten bleiben sollte, wäre sie doch ein perfekter Standort für ein Museum zur bewegten Geschichte von Lichtenegg und seiner BewohnerInnen.​ ​Das Lager 1001 ist am Vorabend des Zweiten Weltkrieges als behelfsmäßige Soldatenunterkunft für die Deutsche Wehrmacht entstanden. Nach der Befreiung vom Faschismus diente es ehemaligen Insassen des Konzentrationslagers Gunskirchen als erste Anlaufstelle, und auch weitere jüdische Überlebende aus aller Herren Länder fanden hier Aufnahme.

Dann kamen die Volksdeutschen, die vor der Roten Armee oder der Machtergreifung der Kommunisten in ihren Herkunftsländern auf der Flucht waren. Und 1956 öffnete das Lager seine Tore für die Ungarnflüchtlinge, die sich später auch im Stadtteil eine neue Bleibe suchten.

Das Lager bestand aus 22 Baracken, in denen jeweils bis zu 100 Menschen lebten und der Lagerkirche, die der aus Ungarn stammende Pfarrer Stefan Macsady seelsorglich betreute. Fast 20 Jahre lang prägte das Lager den Stadtteil, und auf eine gewisse Art prägt es ihn heute noch: Die Kirche St. Stefan, deren Zeltform auch das Flüchtlingsschicksal symbolisieren soll, der Kindergarten der Caritas, der Fußballverein Eintracht, also der heutige FC Wels, die Stefanssiedlung, verschiedene Firmen: all das wurde von oder für diese Flüchtlinge geschaffen.

Mit dem Lager 1001 begann also die moderne Geschichte von Lichtenegg. Es gibt daher wohl keinen geeigneteren Ort sie zu reflektieren als diese letzte Baracke des Lagers. Die Auswirkungen der Geopolitik könnte man hier anhand von Veränderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft begreiflich machen. Das Interesse an dieser Geschichte hat in den letzten Jahren stark zugenommen, und auch aus anderen Ländern gibt es immer wieder Interesse von Menschen, die auf der Flucht hier eine Zeit verbracht haben, vielleicht sogar hier geboren wurden, und sich nun auf Spurensuche begeben.

Ausstellung Wir von überall
"Wir von überall" erzählt die bewegte Geschichte von Lichtenegg

exponate für ein museum gäbe es genug

Eine zeitgeschichtliche Dokumentation über das Flüchtlingslager 1001 erschien 2010 in Buchform. "Wir Kinder im Lager 1001" von Vera Tichy-Nimmervoll enthält authentische Schilderungen und Bilder, die den Siedlungsalltag in Erinnerung rufen. 2014 fand die überaus erfolgreiche Ausstellung „Wir von überall“ ein interessiertes Publikum. Auch das Stadtarchiv und diverse Sammlungen von Privaten und Vereinen bergen interessante Objekte. Material gäbe es also genug, um ein solches Museum zu einem interessanten Ort machen zu können. Das könnte wirklich etwas werden und wäre, etwa in Kooperation mit den umliegenden Schulen, ein einmaliger Ort für die lokale Geschichtsvermittlung.

Nun ginge es zunächst darum, auf die Heimstätte Wels als Grundbesitzer dahingehend einzuwirken, dass sie vom Abriss des Objekts Abstand nimmt, und in weiterer Folge wäre es an der Kulturabteilung der Stadt Wels, gemeinsam mit Menschen, die über brauchbares Material verfügen ein Konzept für eine museale Nutzung des Gebäudes zu erarbeiten. Sobald ein solches Konzept vorliegt, sollte dann über die Realisierung des Projekts im Gemeinderat beraten werden. Die Grünen haben einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat eingebracht.

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