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am 20. Dezember 2018

Welserin 71 Tage in der Türkei in Haft

- Hülya Y., Welserin, österreichische Staatsbürgerin, unbescholten, verbrachte 71 Tage in türkischer Haft. Ihre unfassbaren Erlebnisse erzählte sie am 19.12. in einer Pressekonferenz

Themenfoto Hülya
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Hülya Y.,Kindergartenhelferin, lebt in Wels, geboren 1970 in der Türkei, seit den 1990ern in Österreich, österreichische Staatsbürgerin, sozial engagiert bei kurdischen MigrantInnenvereinen, drei Kinder.

Am 12. August reist Frau Y. mit ihren drei Töchtern in die Türkei nach Izmir, um ihre schwer kranke Mutter zu besuchen, die dort stationär im Krankenhaus aufhältig war. Bis zum 8. September kümmerte sich Frau Y. um ihre Mutter und verbrachte fast jeden Tag im Krankenhaus.

Bei Ausreise verhaftet

Beim Versuch wieder nach Österreich zu reisen wurde Frau Y. am Flughafen verhaftet (die drei Töchter durften ausreisen). Drei Tage blieb sie in U-Haft und wurde verhört, man meinte, sie solle kooperieren und die Namen von „PKK-Mitgliedern“ in Österreich nennen. Es wurde ihr vorgeworfen, dass sie in der Türkei Geld für die PKK gesammelt hätte, obwohl sie nachweislich fast die ganze Zeit im Krankenhaus verbrachte.

Nach drei Tagen wurde ihr mitgeteilt, dass sie aus dem Gefängnis könne, jedoch nicht ausreisen dürfe. Frau Y. bestand auf ihre Ausreise, da sie in Österreich arbeiten musste, und wurde schließlich „frei gelassen“. Doch statt zum Flughafen, wie ihr versprochen wurde, brachte man sie in eine „Rückkehrzentrale“, eine Art Schubhaftgefängnis. Dort wurde ihr mitgeteilt, dass sie hier ein halbes Jahr bleiben müsse.

Die Bedingungen in den Schubhaftgefängnissen sind noch um einiges schlechter als in den „normalen“ türkischen Gefängnissen. Frau Y. wurde dort auch geschlagen. Sie befindet sich in einem gesundheitlich angeschlagenen Zustand, hatte selbst unlängst Krebs.

Ebenfalls dort inhaftiert sind eine Frau und ihre beiden Töchter, alle drei österreichische Staatsbürgerinnen. Sie befinden sich in einem schwierigen Zustand. Frau Y. ist ihnen mehrmals kurz begegnet.

Keine unterstützung durch österreichische Behörden

Nach insgesamt 71 Tagen wurde Frau Y. entlassen, warum sie überhaupt eingesperrt war, wurde ihr nicht mitgeteilt. Ein türkischer Polizist gab an, dass am 5. 9. 2018 von Österreich aus telefonisch gegen sie Anzeige erstattet wurde.

In den 71 Tagen der Haft wurde Frau Y. kein einziges Mal von österreichischen Botschaftsangehörigen oder dergleichen besucht, obwohl dies nach internationalem Recht jederzeit möglich ist (Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen von 1963). Auch nach der Haft gab es von dieser Seite keine Kontaktaufnahme zu ihr.

Kurz nach ihrer Rückkehr wurde Frau Y. in Österreich vom LVT wegen Verdachtes auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung einvernommen. Die entsprechenden Unterlagen wurden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Konkrete Verdachtsmomente konnte das LVT nicht nennen. 

Update - 02.01.2019: Mittlerweile wurden die Ermittlungen gegen Hülya Y. eingestellt

Allgemeine Informationen

  • Derzeit befinden sich 5 ÖsterreicherInnen aus politischen Gründen in der
    Türkei in Haft: Max Zirngast, eine Mutter mit ihren Töchtern (18 und 22) aus Wien sowie ein Linzer Unternehmer
  • Weiters ist mindestens ein Österreicher von einem Ausreiseverbot betroffen
  • Zahlreiche weitere haben ein Einreiseverbot
  • Derzeit sind in der Türkei 74 MedienmitarbeiterInnen verurteilt im Gefängnis sowie 168 in U-Haft, weitere 148 sind zur Fahndung ausgeschrieben/auf der Flucht (https://stockholmcf.org/updated-list/)
  • Politische Gefangene in der Türkei: Vermutlich Zehntausende in 384
    Gefängnissen. Weitere 50 Gefängnisse befinden sich in Bau
  • Nach dem Putschversuch“ 2016 wurden weit mehr als 130 000 Menschen aus
    dem Staatsdienst entfernt
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