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am 14. Jänner

Wie Wels Integration (nicht) fördert

Marina Wetzlmaier - Aktive Integrationspolitik sieht anders aus, auch wenn uns die Welser Stadtregierung das Gegenteil erzählt

​Neun Deutschkurse in zwei Jahren. Ein Armutszeugnis, auch wenn die Stadt Wels vom Gegenteil überzeugt ist. Ihr ist es sogar eine Presseaussendung wert, die sie auch noch mit „Wels fördert Integration“ betitelt. Für das Jahr 2019 erhält die Stadt durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU (AMIF) 70.000 Euro Förderung für Integrationsprojekte. Alle Kurse und Workshops könnten damit auch dieses Jahr wieder stattfinden, wird in der Presseaussendung groß angekündigt. Was nicht ohne Eigenlob präsentiert wird, sieht in der Bilanz ziemlich mager aus: In den Jahren 2017 und 2018 fanden gerade einmal neun Deutschkurse mit „rund 120 Teilnehmern“ statt, aufgeteilt auf vier Niveaus. Hinzu kommen 16 Workshops zu Themen, die von Gewaltprävention zu Mülltrennung reichen, sowie Lernwerkstätten für Kinder und Erwachsene.

Angebote können Bedarf nicht decken

Wels zählt zu den Regionen mit dem höchsten Anteil an MigrantInnen. Laut einer Integrationsstudie, die von der Stadt Wels in Auftrag gegeben wurde, haben fast ein Viertel aller BewohnerInnen nicht die österreichische Staatsbürgerschaft. 64 Prozent der Volksschulkinder in Wels haben laut Studie eine andere Umgangssprache als Deutsch, in den Neuen Mittelschulen sind es 67 Prozent, in der AHS-Unterstufe nur 17 Prozent. Zum Vergleich: Im österreichischen Schnitt liegt der Anteil an Volksschulkindern mit „nicht-deutscher Umgangssprache“ bei etwas mehr als 30 Prozent.

Angesichts dieser Zahlen ist es schon fraglich, inwieweit die derzeitigen Projekte ausreichen, um Integration aktiv zu fördern, und zwar quantitativ wie qualitativ. Oder anders formuliert: Es ist schwer vorstellbar, dass man mit neun Deutschkursen in zwei Jahren den Bedarf decken kann. Denn die Nachfrage besteht. Nicht umsonst hört man von Menschen, die nach Linz oder Grieskirchen fahren, um Deutschkurse zu besuchen, weil es in Wels keine geeigneten Angebote gibt. 

Niederschwellige, leistbare Kurse fehlen

Verlangt man von den Menschen sich zu integrieren und die Sprache zu lernen, muss es nicht nur ausreichend Kurse geben, sondern auch leistbare. Die privaten Institute können das (aufgrund der schlechten Förderlandschaft) nicht in dem Ausmaß leisten. Hier muss die Stadt einspringen, etwa mit niederschwelligen Angeboten. Mit Kursen für Mütter zum Beispiel, die während der Unterrichtszeit ihrer Kinder stattfinden – eine Empfehlung des Integrationsberichts. Oder Angebote, die Eltern mehr in schulische Aktivitäten einbinden. Auch eine Empfehlung. Passiert ist in der Hinsicht viel zu wenig bis gar nichts. Hier müssten auch die Communities mehr eingebunden werden, um das Interesse und den Bedarf an Projekten zu erheben oder dafür zu begeistern.

Wir stehen erst am Anfang 

In den Lernwerkstätten werden etwa achtzig Kinder in den Quartieren Gartenstadt und Noitzmühle bei der Hausübung und bei der Vertiefung von Lerninhalten unterstützt. Allesamt Volksschulkinder. Blickt man auf die oben genannten Zahlen, wird klar, dass nicht nur Kinder von sechs bis zehn Jahren Unterstützung brauchen. Vor Jahren wurde bereits angedacht die Lernbegleitung auf SchülerInnen der NMS auszuweiten. Ein Vorhaben, das die FPÖ schnell sterben ließ.

Laut Presseaussendung ist es dem Integrationsreferenten Gerhard Kroiß „ein Anliegen, dass die [...] Menschen mit Migrationshintergrund auch innerlich in Wels ankommen.“ Die Projekte würden eine  „wichtige Unterstützung beim Spracherwerb und bei der Vermittlung von Werten und Regeln des Zusammenlebens“ leisten. Dieses Eigenlob klingt nicht nur übertrieben, sondern es ist gar unverschämt angesichts dessen, dass noch viel mehr getan werden muss. Ob es den politischen Willen dazu gibt, ist eine andere Frage. Anstatt zu sagen, wir arbeiten so weiter wie bisher, sollte es heißen: wir stehen erst am Anfang.

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Zur Presseaussendung:

​"Wie Wels Integration (nicht) fördert"​


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